Geschichte
(Quelle: Internetpräsentation
des Bistums Hildesheim)
Die Entwicklung der Stadt Hornburg geht auf die gleichnamige Burg zurück. Burg
Hornburg war Hauptstützpunkt der Territorialherrschaft des Bischofs von
Halberstadt und bildete den Mittelpunkt des bischöflichen Besitzes in dieser
Gegend. Aufgabe der an der Ilse gelegenen Feste war es vor allem, die Halberstädter
Territorialansprüche gegenüber dem Hildesheimer Bischof zu sichern. Auf Königsgut
– zur nahen Pfalz Werla bestanden Verbindungen – war im 10. Jahrhundert die
Hornburg im Auftrag des Halberstädter Bischofs gebaut worden; 994 wird die
Feste als „Hornaburg“ urkundlich greifbar.
Die Behauptung, von der Hornburg stammten Papst Clemens II. (1046–1047) und
seine Familie — die Herren von Hornburg und Morsleben — ist nicht
unumstritten, wenngleich die Hypothese in den letzten Jahren bekräftigt werden
konnte. Im Schutz der Burg suchten während des Mittelalters Siedler des
hochwassergefährdeten Umlandes Schutz, so daß letztlich die Wüstungen
Nortrode, Tönningrode, Ikenrode, Ziesel und Westerode in Hornburg aufgingen;
die Wüstungen wurden in die Stadtbefestigung mit einbezogen.
Kirchlich wie herrschaftlich gehörte Hornburg zum Bistum Halberstadt. Burgsitz
und Siedlung wurden zunächst im Archidiakonat Westerode verwaltet, dessen
Haupt- und Taufkirche St. Stephanus man später in den Stadtbereich von Hornburg
eingliederte. Die Hornburger Siedler hatten zuvor die heilige Messe in der 1140
nachgewiesenen St.-Stephanus-Kapelle gefeiert. Dennoch war Hornburg Pfarrsitz
gewesen, was 1240 mit der Nennung „Godstaltuf plebanus“ belegt wurde. Auf
der bischöflichen Burg gab es ebenfalls ein Gotteshaus. Diese Marienkapelle war
jedoch den bischöflichen Vögten vorbehalten; die heilige Messe feierten eigens
auf der Burg angestellte Priester. Im Jahre 1323 war „Henricus“ Seelsorger
auf der Hornburg.
Die strategisch bedeutende Hornburg war seit ihrer Errichtung im 10. Jahrhundert
heftigen Kämpfen ausgesetzt. So 1178–1179, als Heinrich der Löwe
(1142–1180) die Burg zerstören ließ. Im 14. und 15. Jahrhundert war die
Feste an die Stadt Braunschweig und anderweitig verpfändet. Mit dem Burgsitz
war auch ein Amt verbunden, welches Hornburg selbst sowie den Hof Achim und die
Siedlungen Oste-rode, Rhoden, Steinum, Veltheim, Fallstein, Westerode und Ziesel
umfaßte.
Mit dem Hopfenanbau gelangte Hornburg schließlich zu wirtschaftlichem
Wohlstand; 1551 wird der Flecken erstmals als Stadt bezeichnet. Mit der Ortslage
am Schnittpunkt der Straßen durch das Harzvorland, wo sich die Straße von der
Pfalz Werla her mit der Braunschweiger Heerstraße kreuzte, waren die
Voraussetzungen für den Hopfenhandel günstig. Sichtbarer Ausdruck fand der
wirtschaftliche Reichtum Hornburgs in den Fachwerkhäusern und der zusätzlichen
Einrichtung der Hospitalskapelle Heilig Geist 1432 vor der Stadt. In der zweiten
Hälfte des 16. Jahrhunderts befand sich Hornburg in fast ausnahmslos
protestantischer Umgebung. Aus Städten, wie z.B. Braunschweig und Wolfenbüttel
sowie dem Kurfürstentum Sachsen, war das protestantische Gedankengut auch nach
Hornburg vorgedrungen. Der städtische Magistrat sympathisierte nicht nur mit
der Reformation, sondern betrachtete deren Annahme als wirksames Mittel, sich
gegen die bischöfliche Vorherrschaft zu wehren; 1553 wurde die Stadt
protestantisch.
Der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) verhinderte die Durchführung
katholischer Reformen seitens des Bistums Halberstadt. Während des Krieges
wurden Stadt und Burg Hornburg mehrfach Schauplatz militärischer
Auseinandersetzungen. Truppen Christians von Halberstadt, Tillys und Pappenheims
plünderten und brandschatzten Hornburg. Dennoch war es möglich, daß
1614–1616 die evangelische Kirche Beatae Mariae Virginis in der Stadt gebaut
werden konnte. Burg Hornburg wurde schließlich 1645 zerstört und an ihrer
Stelle ein Domänenamt eingerichtet; die Burgruine wurde erst 1922 wieder
aufgebaut. Der 1648 erzielte Friedensschluß brachte auch Klärung in die
kirchlich undurchsichtige Lage in Hornburg. Das im Westfälischen Frieden
festgelegte Normaljahr sicherte mit 1624 zunächst den konfessionellen
Besitzstand der Stadt. Darüber hinaus war das Bistum Halberstadt säkularisiert
worden, womit eine katholische reformtragende Kraft in Hornburg fehlte. Die
Stadt wurde jetzt vielmehr der katholischen Mission des Apostolischen Vikariates
unterstellt.
Kirchliche wie politische Neuerungen griffen in Hornburg, das kommunal zunächst
der Landkreisverwaltung von Halberstadt, später von Wernigerode unterstand,
erst im 19. Jahrhundert. Noch vor Beginn der Industrialisierung in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts kam es 1821 zu einer kirchlichen Neuordnung in der Stadt.
Durch die Bulle „De Salute Animarum“ wurde sie dem Erzbistum Paderborn
zugewiesen. Die pastorale Betreuung übernahm die Hornburg benachbarte Gemeinde
Osterwieck. Eine direkte Verbindung zwischen Hornburg und Osterwieck wurde
jedoch erst 1907 mit der Eisenbahnstrecke geschaffen. Durch den Hopfenanbau, der
bis Mitte des 19. Jahrhunderts florierte, war Hornburg 1867 mit 2 451 Einwohnern
eine relativ große Stadt. Nach der Aufgabe des Hopfenanbaues und -handels hatte
man mit der Gründung der Zucker- und Konservenfabrik um 1870 eine
wirtschaftliche Alternative geschaffen. Der Anschluß der Stadt an die
Kleinbahnstrecke Hornburg-Börßum 1895 sicherte zwar den Absatz der Produkte
aus beiden Fabriken, aber die wirtschaftliche Prosperität durch den
Hopfenhandel konnte nicht erzielt werden. Hornburg zählte 1910 2 331 Einwohner.
Während die Stadt wirtschaftlich auf den westlich liegenden Landkreis Wolfenbüttel
hin orientiert war, wurde sie kirchlich der Pfarrei Osterwieck im Osten
angeschlossen.
Kommunale Neuordnungen wurden abermals während der Zeit nationalsozialistischer
Herrschaft durchgeführt, als man im Jahre 1941 (Salzgittergesetz) Hornburg aus
dem Landkreis Wernigerode dem Landkreis Wolfenbüttel eingliederte. Die
kirchliche Zugehörigkeit Hornburger Katholiken zur Pfarrei in Osterwieck blieb
jedoch bestehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) änderte sich die
seelsorgliche Situation in Hornburg grundlegend. Heimatvertriebene Katholiken
suchten in der Stadt nach Unterkunft, später nach Beschäftigung, wodurch sich
die Anzahl der in Hornburg wohnenden Katholiken erheblich erhöht hatte. Die
politische Situation, d.h. die Teilung Deutschlands in Besatzungszonen,
erschwerte jedoch ihre seelsorgliche Betreuung erheblich. Denn durch die
Errichtung der Grenze zur sowjetischen Besatzungszone waren die Katholiken in
Hornburg sowie in Isingerode und Roklum von ihrer „Mutterpfarrei“ in
Osterwieck getrennt worden; letztere lag auf dem Territorium der SBZ bzw. der
DDR und war dem Apostolischen Administrator von Magdeburg unterstellt worden.
Im Hinblick auf die Größe der katholischen Gemeinde in Hornburg wurde ein
Kirchbau notwendig. Bischof Joseph Godehard Machens (1934–1956) entschied sich
jedoch für einen Kirchbau im benachbarten Börßum, da Hornburg auf Paderborner
Bistumsgebiet lag. Die seelsorgliche Betreuung der Katholiken in Hornburg und
Isingerode übernahmen danach Priester aus Börßum. Die Pastoration der
Katholiken in Roklum ging hingegen vom Seelsorger in Jerxheim aus. Im Jahre 1946
wurde zunächst ein heimatvertriebener Seelsorger in Hornburg als Pfarrvikar
eingesetzt; Gottesdienst hielt er im Hornburger Flüchtlingslager. Später
diente ein umgebauter Schuppen als Kapellenraum.
Die Hornburger Katholiken waren mit ihrer kirchlichen Zuordnung jedoch nicht
einverstanden und drängten auf den Bau einer katholischen Kirche in ihrer
Stadt. Mit Hilfe des Bonifatiuswerkes, das sich mit der Aktion „Helfende Hände“
besonders für den Bau von katholischen Kirchen an der innerdeutschen Grenze
einsetzte, war es möglich, daß im Jahre 1977 in Hornburg ein katholisches
Gotteshaus errichtet werden konnte. Die Kirche wurde am 17. Dezember 1977 durch
den Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1957–1982) zu Ehren des
heiligen Papstes Clemens I. geweiht, zugleich zum Gedenken an den Papst Clemens
II., der vermutlich gebürtiger Hornburger war. Im Zuge der Kreis- und
Gebietsreform in Niedersachsen wurde 1974 auch das Gebiet um Hornburg
kommunalpolitisch neu geordnet. Während man die Stadt Hornburg und Isingerode
der Samtgemeinde Schladen eingliederte, schlug man Roklum der Samtgemeinde Asse
zu.
Die Novellierung kirchlicher Strukturen im Raum Hornburg wurde erst nach der
Vereinigung Deutschlands im Jahre 1990 notwendig. Zunächst wurde 1994 im Zuge
der Bulle „Cum gaudio et spe“ das Bistum Magdeburg errichtet. Ihm war das
Gebiet des ehemaligen erzbischöflichen Kommissariats Magdeburg, u. a. mit
Ausnahme des niedersächsischen Gebietes der Stadt Hornburg und der Gemeinden
Isingerode und Roklum aus dem Landkreis Wolfenbüttel, eingegliedert worden;
Hornburg, Isingerode und Roklum wies man dem Bistum Hildesheim zu. Hier wurde im
Jahre 1995 unter Zusammenschluß der Stadt Hornburg mit dem Ortsteil Isingerode
der politischen Gemeinde Schladen die katholische Kuratie-gemeinde St. Clemens
in Hornburg errichtet, die allerdings der Pfarrei Schladen zugeordnet wurde.